by Lars Reisberg Lars Reisberg

Segeltrimm: Die Lattenspannung einstellen

Tipps und Tricks zum Einstellen der Lattenspannung

Wenn Sie ein Boot mit einem klassischen, durchgelatteten Großsegel (Fullbatten Mainsail) besitzen, dann steht mindestens einmal im Jahr das Einziehen der Segellatten an. Nämlich im Frühling, wenn Sie Ihre Yacht aus dem Winterschlaf wecken und aufriggen. Wir möchten Ihnen in diesem Artikel aufzeigen, worauf bei der Installation und dem Einstellen der optimalen Lattenspannung zu achten ist.

Zunächst einmal grundsätzlich: Wenn ein Segel mit horizontalen oder vertikalen Lattentaschen designt ist, ist die Qualität der mitgelieferten Segellatten ausschlaggebend für Performance und Performance-Lebensdauer des Segels. Auch das teuerste Segel aus Carbon und Aramid wird mit einfachen, unverjüngten Fiberglas-“Brettern” nicht vernünftig stehen. Im schlimmsten Fall können ungeeignete Latten Segeltuch und Segelprofil sogar beschädigen! Die Auswahl geeigneter und langlebiger Segellatten ist beinahe genauso wichtig wie die Wahl des Segelmaterials! Dazu später mehr.

Fahrtensegel von Quantum Sails
Perfekt getrimmt: Segellatten spielen eine tragende Rolle

Die Lattenspannung (genau genommen müsste es „Latten-Kompression“ heißen) im Segel ist absolut essenziell, um auf See das Profil durch Trimmen zu optimieren und so mehr Performance aus Ihrem Segel herauszuholen. Profis stellen die Segellattenspannung daher nicht nur ein Mal im Frühling ein, sondern passen diese laufend an die aktuellen Bedingungen an. Auch Fahrtensegler können hiervon profitieren, denn ähnlich wie der Reifendruck in Ihrem Auto, hat die Lattenspannung einen Einfluss (wenn auch oft unbemerkt) auf die Segel-Performance.

Die richtige Balance für die Segellattenspannung finden

Lattenspannung – „Ist das jetzt schon zu viel – oder noch zu lasch?“ Diese Frage stellen Sie sich als Segler sicher auch, wenn es um die Justierung geht. Woran erkennt man das eine oder das andere?

Keine ausreichende Spannung:

Dies ist unserer Erfahrung nach der häufigste Fall. Zu erkennen an Falten im Segel, die quer zur Lattentasche im Segel verlaufen. Oder am Vorliek ist eine Falte hinter dem Lattenbeschlag zu sehen. Dann muss mehr “Dampf” auf die Latte(n)! Das Ziel ist ein Segel, das entlang der aller Lattentaschen keine Falten zeigt. 

Es kann sein, dass sich die Falten erst nach dem ersten Segeln bilden. Vor allem Dacron-Segel dehnen sich unter dem Druck der Lattenspannung. Dann muss nachgearbeitet werden.

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Keine Falten im Großsegel - alles perfekt!

Es kann aber auch anders herum sein, dass Sie zu viel Spannung auf die Latte gegeben haben. Bei zu viel Lattenspannung:

Wenn die Latten mit erheblichem “Überdruck” im Segel montiert sind, können Falten vom Lattentaschenverschluss am Achterliek oder am Vorliek am vorderen Lattenende im Segel auftreten. Ein anderes Problem: Die durchgehende Toplatte will bei Wende oder Halse trotz aller Tricks partout nicht auf den anderen Bug “durch-fluppen”. Dann ist die Latte entweder zu hart vorgespannt. Oder die Segellatte selbst ist für die aktuellen Bedingungen zu steif.

Segellatten richtig im Segel einsetzen

Die Latten – und zwar genau die richtige Latte in die jeweils für sie vorgesehene Lattentasche! – werden zunächst einfach in die Tasche eingeführt. Je nach Bauart passiert das am Achterliek oder – wenn die Lattentasche achtern verschlossen ist – am Vorliek. Achten Sie darauf, dass das dickere Ende einer verjüngten Segellatte zum Achterliek kommt. Das verjüngte Ende gehört nach vorn oder bei vertikalen Lattentaschen nach unten. Also: Das dicke Ende immer zum Achterliek!

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Lattentaschen immer gut verschließen

Es gibt viele verschiedene Lattentaschen-Verschlüsse und Beschläge. Sie alle hier im einzelnen zu erklären sprengt den Rahmen. Hier nur die wichtigsten:

  • Kleinere Segel werden oft mit einer Gurtband-“Zunge” mit Klettband gefertigt (“Velcro Stuff”). Das Gegenstück zum Klett ist in der Lattentasche eingenäht. Prüfen Sie sich immer erst einmal, wo sich das Klettband befindet. Eine Hilfslatte ist erforderlich, um die Lattentasche zu schließen und Spannung auf die Latten zu bringen. Die Hilfslatte wird auch eingesetzt, um die Segellatte zu entfernen.
  • Größere Segel werden achtern oft mit einem Zurr-System gefertigt, bei dem ein Bändsel mehrfach zu einer kleinen Talje geschoren wird. Damit können die notwendigen höheren Lattenspannungen erzeugt werden. Das ist funktional, hält ein Segelleben lang und verschwindet unsichtbar unter einer Abdeckung.
  • Durchgelattete Segel werden in den meisten Fällen mit Lattenaufnahmen aus Kunststoff oder Aluminium am Vorliek gebaut. Diese Beschläge stellen eine feste Verbindung zu einem geeigneten Mastrutscher her. Das garantiert perfekten Segelstand auf allen Kursen. “Ordentliche” Lattenaufnahmen erlauben der Segellatte eine Drehung, wenn das Segel geborgen ist und auf dem Baum gepackt wird. Wenn die Latte nicht rotieren kann, kann es sein, dass sie nach ein paar Tagen oder Wochen wie ein Korkenzieher aussieht. Das sieht im Segel nicht gut aus …

Manche Lattenbeschläge haben eingebaute Spannvorrichtungen. Damit kann die Lattenspannung besonders einfach justiert werden.

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Verschiedene Verschlüsse - übrigens auch am Achterliek (Leech-Batten)

Großsegel anschlagen - am einfachsten so:

Wie gehen die Profis vor? Wenn wir ein Großsegel anschlagen, legen wir es zunächst auf der Lee-Seite auf das Laufdeck. Natürlich sollte das sauber sein. Dann schlagen wir den Hals an und danach die Schotecke. 

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Erst dann – und wirklich ers dann! – sind anschließend die Segellatten an der Reihe.

Am besten, Sie ordnen die Segellatten der richtigen Reihenfolge nach vor. Durchnummeriert von oben nach unten (mit einem Edding auf die Latte geschrieben) hilft das ungemein.

Wenn die Latte in der Lattentasche ist und Sie Lattenspannung erzeugt haben, testen Sie das Ergebnis. Nehmen Sie das Segel an der Segellatte am Achterliek in die Hand und heben diese an. Es sollten keine Falten erkennbar sein und die Spannung der Latte biegt das Tuch leicht durch. Wippen Sie die Latte auf und ab. Sie sollte einfach “durchfluppen”, wie sie das bei einer Wende oder Hals macht. Wenn Sie viel Kraft aufwenden müssen, ist die Lattenspannung vermutlich zu hoch.

Natürlich ist das vor allem eine Sache der Erfahrung und erfordert Übung.

Probieren Sie es aus und schauen Sie, wie das Segel steht und sich verhält. Dann haben Sie bald das richtige Gefühl für die Lattenspannung an Ihren Segeln!

Während des Segelns: Die Lattenspannung des Großsegels checken.

Bei Profi-Crews auf Regatten ist der Check der Lattenspannung des Großsegels direkt nach dem Setzen einer der ersten Jobs. Noch bevor man sich mit Großschot, Traveller oder Segel-Twist beschäftigt, stellt daher die Lattenspannung das allererste Tuning-Mittel für den aktiven Segler dar. Das können auch Sie so handhaben: Sie legen also ab, setzen das Großsegel und bringen die Yacht an den Wind.

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Wipp-Test für die richtige Lattenspannung

In moderaten Windbedingungen (zwischen 10 bis 12 Knoten TWS) sollten die Segellatten einfach und ohne Druck die Seite der Biegung wechseln, wenn Sie Wendemanöver fahren. Schauen Sie nach oben im Segel auf die Lattentaschen, ob Sie dort eventuell Falten erkennen können. Sie wissen es bereits: Diese sind ein Anzeichen für zu wenig Spannung. 

Prüfen Sie also hin und wieder einmal, ob die Lattenspannung passt. Zu Beginn der Saison kann ein Nachtrimmen erforderlich sein. Aber dann sollte eine einmal gefundene Einstellung für den Rest der Saison funktionieren.

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So einfach geht das ...

Ausnahme ist natürlich der unterste Windbereich unter 6 oder 7 Knoten Wind: Hier kann es sein, dass die Toplatte nach einer Wende oder Halse noch auf dem alten Bug bleibt. Wir nennen es “invertiert”. Oft hilft ein kräftiger Ruck an der Großschot. Wenn das nicht hilft, kann der Großschot-Ruck mit einem gleichzeitigen Reißen an der Kickertalje kombiniert werden. Das ist also ein Job für mindestens zwei Crew-Mitglieder. Das mag nerven, es ist aber schwierig bzw. unmöglich, Großsegel und Lattensatz gleichermaßen für 3 und auch für 30 Knoten zu optimieren. Seien Sie als bitte nicht zu streng mit Ihrem Segelmacher!

Runde oder flache Latten: Welche sind besser?

Wie bei fast allem an Ihrer Segelyacht sind natürlich auch die Segellatten in verschiedenen Qualitäten zu bekommen.

Grundsätzlich sind Segellatten mit rechteckigem Querschnitt besser geeignet, weil sie unter Druck kaum zur Seite ausweichen wollen. Stauchdruck setzen rechteckige Latten in eine (definierte) Biegekurve um.  Runde Segellatten hingegen tendieren zum sogenannten „Snaking“ – in einer normalen Lattentasche kann eine runde Latte auch seitlich ausweichen und sich “schlängeln”. Das ist nicht gut für das Segelprofil. Rundstab-Latten erfordern deshalb Lattentaschen, in den die Stäbe eng eingebunden sind. 

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Jede Menge Segellatten zur Auswahl ...

Runde Segellatten haben lediglich den Vorteil, dass sie im Prinzip überall auf der Welt erhältlich sind. Segel, die für Rundstablatten ausgelegt sind, können dann selbst an den entlegensten Orten mit irgendwelchen GfK-Ersatzlatten bestückt werden.

Eine Ausnahme bilden Inmast-Furling-Segel mit durchgehenden vertikalen Segellatten. Für diesen Einsatz sind Rundstablatten die richtige Wahl, weil Sie unanfällig gegen den oben bereits erwähnten Korkenzieher-Effekt sind.

Segellatten in Ihren QUANTUM SAILS

In fast allen Segeln werden also Segellatten mit rechteckigem Querschnitt eingesetzt. Die Materialauswahl reicht dabei von einfachem GFK über Vinylester oder Epoxy-Laminaten bis hin zu Carbon und Carbon/S-Glass-Konstruktionen. Es gibt unverjüngte Profile, aber die meisten Segellatten sind verfüngt – zumindest bei QUANTUM SAILS. Wir wählen jede einzelne Latte für Ihr Segel aus einem schier endlosen Spektrum von Materialart, Profilbreite, Profildicke und Profilierungsart aus. Damit jede Latte bestmöglich an ihrem Platz im Segel funktioniert!

Profilbreite und Profildicke definieren im Zusammenspiel die generelle Biegesteifigkeit.

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Wir wählen die passenden Segellatten für Sie individuell aus

Die Profilierungsart oder Verjüngung für eine durchgehende Segellatte ist so kalkuliert, dass die Profiltiefe an der optimalen Position sitzt. Kurze (“intermediate”) Segellatte, deren vorderes Ende im Segel endet, werden vorn besonders biegsam verjüngt (“Flex Tip”). Das mindert die Alterung des Segeltuchs am Lattenende und unterstützt das Segerlprofil bei allen Bedingungen perfekt und störungsfrei.

Nutzen Sie unser Knowhow und unsere Erfahrung

Sie sehen: Schnelle Segel, Top-Performance und einfacher Trimm sind mehr als die aktive Arbeit an Großschot und Traveller. Es geht schon früher los – bei Beratung, Spezifikation und Design Ihrer neuen Segel. Nutzen Sie das Knowhow und die umfassende Erfahrung unserer Segelberater, Segeldesigner und Segelmacher bei Quantum! Es lohnt sich. Auch langfristig!

Alles zu Segeln, Segeltuchen, optimalen Beschlägen und natürlich den Segellatten erfahren Sie bei einem persönlichen, unverbindlichen Beratungsgespräch in Ihrem QUANTUM-Loft.

by Sven Krause Sven Krause

Mastfall messen – Ergebnis in Grad

Wie viel Mastfall hat mein Rigg? Diese Frage stellt man sich hin und wieder. Vor allem, wenn man sich mit anderen Segler über Mast- und Riggtrimm austauscht.

Eine Methode, den Mastfall eines Riggs zu bestimmen, ist folgende:

  1. Entspannen Sie das Achterstag
  2. Befestigen Sie ein Gewicht (zum Beispiel eine mit Wasser gefüllte Pütz) an Ihrem Großfall.
  3. Messen Sie nun den Abstand von der Hinterkante des Mastes bis zum Fall entlang des Großbaums.

Mit dem gemessenen Abstand und dem Vorliek Ihres Großsegels ermitteln Sie in der nachstehenden Tabelle den Mastfall in Grad.

Mastfall-messen
by Sven Krause Sven Krause

Was Sie über Riggtrimm & Performance wissen sollten

Für viele Segler ist die Beziehung zwischen Riggtrimm und Performance ein Buch mit sieben Siegeln. Sven Krause von Quantum Sails nimmt Sie mit auf eine Tour durch die Kernelemente des Masttrimms und was Sie wissen müssen, um Ihr Rigg für optimale Leistung einzustellen.

Dieser Artikel ist auch in der Segler-Zeitung 05/2019 erschienen.

Picture of Sven Krause
Sven Krause

Segelmacher und Segler

Den Mast mit allen Wanten und Stagen richtig einzustellen mag für manchen Segler eine Respekt einflößende Aufgabe darstellen, aber zum Glück ist es nicht so kompliziert wie das Stimmen eines Konzert-Flügels! Letztendlich ist es lediglich ein Alu-Rohr mit ein paar Drähten daran. Oder, wenn es etwas teurer war, ein Stück Kohlefaser mit ein paar Rod-Stangen. Immer sind es vier Parameter, die Sie verstehen müssen, um Ihr Rigg zu beherrschen:

  1. Mastfall
  2. seitlicher Trimm
  3. Mastbiegung und
  4. Vorstagdurchhang

Mastfall

Riggtrimm-4-Elemente-Mastfall

Mastfall kann mit unterschiedlichen Methoden gemessen werden.

Mastfall ist ein Maß dafür, wie weit der Mast von der Senkrechten nach achtern geneigt ist. Ein typischer Mastfall reicht von anderthalb bis zweieinhalb Grad bei einem topgetakelten Cruising-Rigg bis zu vier Grad bei einem 7/8-getakelten Regattamast. Ein Mast sollte niemals nach vorne geneigt sein, es sei denn, das Bootsdesign ist etwas ungewöhnlich (und Sie werden schnell herausbekommen, ob dies der Fall ist!). Wenn Sie den Mastfall vergrößern, kippen Sie den gesamten Segelplan nach achtern. Dies wiederum verschiebt den Segeldruckpunkt nach achtern und drückt den Bug in den Wind. Als Steuermann werden Sie versuchen, das auszugleichen. Sie spüren dann Ruderdruck.

Der Mastfall wird durch die Vorstaglänge bestimmt. Je länger das Stag inklusive aller Toggle, umso größer der Mastfall. Aber Vorsicht bei Masten, die durchgesteckt sind und auf dem Kiel stehen: Hier müssen Sie auch die Mastfußposition verschieben, wenn Sie die Vorstaglänge ändern. Andernfalls verändern Sie auch die Vorbiegung Ihres Mastes! Und wenn Vorstaglänge und Mastfussposition überhaupt nicht harmonieren, kann es gefährlich für das Material werden. Dann droht langfristig sogar Bruch im Bereich der Decksdurchführung!

Um den Mastfall anzupassen und den richtigen Ruderdruck zu erzeugen, ändern Sie die Länge des Vorstags. Wie viel Mastfall ein bestimmter Schiffstyp benötigt ergibt sich aus Rumpf- und Kielform und der Kielposition relativ zum Segeldruckpunkt, also aus dem Lateralplan. In den meisten Einheitsklassen wird viel Zeit darauf verwendet um herauszufinden, was am besten funktioniert. Das Ergebnis sind Trimmtabellen mit Angaben zur Mastposition, Vorstaglänge und Wantenspannung. Darüber hinaus wird die Vorstaglänge je nach Wind sogar loser oder fester getrimmt: Bei wenig Wind wird es verlängert, um Mastfall und damit Ruderdruck zu erzeugen und bei zunehmenden Wind verkürzt, um Druck loszuwerden.

Ein Wort zum Ruderdruck: Ruderdruck in Maßen ist gut und erwünscht! Der Ruderanstellwinkel soll der Abdrift des Schiffes entsprechen. Nur dann setzen Sie Ihr Ruder als zusätzliche Lateralfläche ein und verringern so die Abdrift. Ein ganz neutrales Ruder ist also nicht optimal. Das gilt auf allen modernen Schiffen mit angehängten Rudern.

Für Fahrtenyachten und manchen anderen Bootstypen gibt es keine Trimmanleitung. Um die Amwind-Performance zu optimieren, brauchen wir also wie beschrieben etwas Ruderdruck. Ein Ruderanstellwinkel von drei bis fünf Grad bei 8 bis 10 Knoten wahrem Wind wird allgemein als optimal erachtet. Um dies zu testen, segeln Sie bei 8 bis 10 Knoten hoch am Wind und lassen dann das Steuer los. Das Boot sollte sanft anluven. Wenn es geradeaus läuft oder sogar abfällt, brauchen Sie mehr Mastfall. Oder weniger, falls es zu hart anluvt. Machen Sie diesen Test nicht, wenn es zu windig ist. Ihr Boot wird anluven und zu viel Ruderdruck haben. Dann aber nicht wegen eines vermeintlich falschen Mastfalls, sondern weil es zu sehr krängt, was ebenfalls Ruderdruck erzeugt und das Schiff anluven lässt. Alte Segel, die tief und bauchig sind und nur noch schlecht auftwisten, können das Ergebnis natürlich auch beeinflussen und zu starkem Ruderdruck beitragen.

Eine Anleitung und Tabelle zur Ermittlung des aktuellen Mastfalls in Grad finden Sie hier.

Seitlicher Masttrimm

Wenn das Rigg nicht mittig über dem Schiff steht, werden Trimm und Performance auf beiden Bügen unterschiedlich sein. Um dies zu überprüfen, messen Sie mit einen Maßband oder dehnungsarmen Fockfall, das Sie mit einem Gewicht beschweren, auf beiden Seiten mehrmals zur Süllkante oder Oberwantpütting. Stellen Sie dann die Oberwanten so ein, dass diese gleichmäßige Spannung aufweisen. Dabei kann die Zollstockmethode helfen, eine geeignete Wantenspannung einzustellen. Bei einem Mehrsalingrigg sind als nächstes die Mittelwanten dran. Diese sind zunächst nur „handwarm“ einzustellen – auf keinen Fall zu fest! Das heißt, Sie kürzen beide Wantenspanner, bis erster Widerstand zu spüren ist und drehen von dort 2 oder 3 ganze Umdrehungen fester. Zuletzt stellen Sie Ihre Unterwanten ein.

Der endgültige Trimm für alle Wanten läßt sich nur auf dem Wasser korrekt ermitteln: Perfekte Bedingungen sind 10-12 Knoten Wind. Segeln Sie dazu am Wind mit vollem Druck in Groß- und Vorsegel. Die Oberwanten in Lee sollten nicht zu viel Lose haben. Gegebenenfalls sollten Sie mehr Spannung auf die Wanten bringen. Doch Vorsicht: Bei so genannten Discontinious-Takelungen werden gleichzeitig die Mittelwanten strammer! (Sie haben ein Discontinious Rigg, wenn Sie mehr als zwei Salingpaare haben, an Deck aber nur ein Oberwant und kein Mittelwant ankommt.) Um den Trimm zu prüfen peilen Sie während des Segelns von möglichst weit unten an der Achterkante des Mastes die Großsegelnut entlang. Abweichungen von der perfekten Geraden werden Sie so schnell erkennen und können entsprechend nachjustieren.

Wenn Sie mit dem Trimmen fertig sind, messen Sie alle Einstellungen der Spanner und notieren Sie diese gut! Mein Rat: Kleben Sie einen Zettel in den Kartentisch. Dort geht er nicht verloren! Es wäre schade, wenn Sie die Übung im kommenden Frühjahr wiederholen müssen. Versplinten Sie alle Spanner sorgfältig, aber nicht mit Ringsplinten. Ihr Mast wäre nicht der erste, der über Bord geht, weil eine Schot einen Ringsplint aus dem Spanner gezogen hat, ohne dass Sie es bemerken! Verwenden Sie also normale Splinte, die aufgebogen werden und tapen Sie alles sorgfältig ab. Oder verwenden Sie Rohre, die über die Spanner geschoben werden. Die gibt es im Yachtzubehörhandel zu kaufen.

Noch ein Wort zum Trimm: Wie erwähnt werden Wanten und Vorstag auf Regattayachten und in vielen Einheitsklassen laufend verstellt, um für jeden Wind den optimalen Trimm zu haben. Dabei spielen auch die Mittel- und Unterwanten eine wichtige Rolle. Sie beeinflussen die Tiefe des Großsegels. Es hat sich deshalb bewährt, bei Leichtwind mit losen Wanten zu fahren. Das geht so weit, dass der Mast in der Mitte sichtbar nach Lee wegfällt. Das erzeugt ein etwas flacheres Profil und erhöht gleichzeitig den Druck auf das Großsegel-Achterliek – also genau das, was man bei sehr leichtem Wind möchte.

Mastbiegung

(Falls Sie eine ältere Fahrtenyacht mit einem Rigg haben, das mehr an einen Telefonmast erinnert, können Sie diesen Abschnitt überspringen!)

Masttrimm-Vorbiegung-Prebend

Hier gut zu erkennen: Vorbiegung/Prebend eines Mastes mit gepfeilten Salingen.

Während Mastfall beschreibt, wie der Mast nach achtern geneigt ist, ist Mastbiegung das Maß zwischen Großbaum und Masttop, um den der Mast biegt – also die Mastkurve. Die Kurve kann man durch Peilen von der Seite gut erkennen. Mit Hilfe der Mastkurve verändern Sie die Form des Großsegels. Mehr Biegung macht das Segel flach – das brauchen Sie im oberen Windbereich. Ein gerader Mast sorgt hingegen für ein tiefes, kraftvolles Segelprofil. Ihr Riggtrimm beeinflusst, wie stark der Mast gebogen wird, insbesondere auf modernen 9/10-Riggs mit nach achtern gepfeilten Salingen. Aber egal, welche Art von Rigg Sie haben, Sie möchten mit einer kleinen Vorbiegung („Prebend“) beginnen. Vorbiegung ist die Mastkurve, die bei losem Achterstag zu erkennen ist. Durch die Vorbiegung wird sichergestellt, dass sich der Mast beim Spannen des Achterstags in der Mitte nach vorne bewegt und das Großsegel flacher macht. Ein komplett gerade getrimmter Mast birgt die Gefahr der Inversion, vor allem bei Seegang. Der Begriff „Inversion“ beschreibt einen Mast, der in der Mitte nach achtern gebogen ist. Vorbiegung ist also gut und sicher!

Ein längeres Vorstag vergrößert die Vorbiegung. Aus diesem Grund ist es wichtig, zuerst den Mastfall einzustellen. Die anderen Faktoren, die die Vorbiegung beeinflussen, sind bei durchgesteckten Masten die Position des Mastfusses und die Einspannung im Deck. 30 bis 80mm Prebend sind typisch für ein mittelgroßes Boot. Da der Mast im Deck zumeist fest eingespannt ist, bleiben Ihnen also die Vorstaglänge und die Mastfussposition, um die Vorbiegung zu beeinflussen: Mastfuss nach vorn reduziert die Vorbiegung, Mastfuss weiter nach achtern vergrößert diese.

Bei einem Rigg mit Inline-Salingen (querab stehend, nicht gepfeilt), die auf topgetakelten Yachten üblich sind, haben die Wanten wenig Einfluss auf die Mastbiegung. Einige Riggs haben jedoch zusätzliche laufende Backstagen oder Checkstagen, mit denen die Mastbiegung kontrolliert werden kann.

Riggtrimm-Masttrimm-Mastbiegung

Animation von Mastbiegung vom vollen Segelprofil bis zum zu stark gebogenen Mast.

Wie viel Mastbiegung ist zu viel? Wenn Ihr Großsegel diagonale Falten von der Schot zum Vorliek entwickelt, ist das ein klares Zeichen, dass Mastbiegung und Vorkurve des Großsegel nicht zueinander passen. Wenn Sie solche Falten beobachten, sollten Sie die Mastbiegung reduzieren. Das erreichen Sie mit weniger Achterstagspannung oder, wenn Ihr Rigg gepfeilte Salinge hat, mit mehr Spannung auf Mittel- und Unterwanten.

Bei modernen 9/10-getakelten Riggs mit gepfeilten Salingen haben die Wanten großen Einfluss auf die Mastbiegung. Unter- und Mittelwanten halten den Mast nicht nur seitlich gerade, sondern kontrollieren auch die Mastbiegung, weil sie auch nach achtern ziehen. Sind sie zu stramm, kann der Mast nicht ausreichend biegen und das Großsegel wird nicht flach genug. Zu lose und der Mast biegt zu stark und das Großsegel verliert jede Form. In vielen Klassen wird die Riggspannung durch Nachspannen der Wanten und Verkürzen des Vorstags erreicht. Auf größeren Yachten gibt es häufig einen so genannten Mastjack: Das ist ein Hydraulikstempel, mit dem der ganze Mast hochgepumpt werden kann. In beiden Fällen erreichen Sie für den oberen Windbereich mehr Spannung im Rigg, um ein Überbiegen des Mastes zu verhindern.

Vorstagdurchhang

Riggtrimm-Masttrimm-Vorstagdurchhang

Animation von Vorstagdurchhang: Blau = gut getrimmt, Gelb = zu viel Durchhang.

Wenn ein wenig Mastbiegung gut ist, warum ist mehr nicht besser? Die Antwort ist Vorstagdurchhang. Wenn das Vorstag durchhängt, wird das Vorsegel entlang des Vorlieks (Anschnitt oder Entry) voller und insgesamt tiefer. Bei Leichtwind ist das toll. Wenn der Wind jedoch zunimmt, sollten Sie den Durchhang so weit wie möglich reduzieren, um das Vorsegel flacher zu trimmen und höher am Wind steuern zu können. Bei Wind dreht sich alles um Vorstagspannung – davon können Sie nie genug bekommen. Deshalb sollten Sie in einen vernünftigen Achterstagspanner investieren. Entweder eine Talje, die als Kaskade eine kraftvolle Untersetzung bietet, oder Kurbel- oder Hydraulikspanner. Ihr Segelmacher oder Rigger kann Sie beraten, falls Sie Bedarf haben.

Was haben die Mastbiegung und Vorstagdurchhang miteinander zu tun? Wenn Sie das Rigg mit dem Achterstag spannen, wird das Vorstag strammer, was gut ist! Sie ziehen aber auch den Masttop nach unten und komprimieren das Rigg, wodurch es stark biegt. Das verhilft dem Vorstag leider auch zu unerwünschtem Durchhang! Sie möchten eine Mastbiegung, um das Großsegel abzuflachen. Aber nicht so viel, dass Vorstagspannung verloren geht und Vorstagdurchhang vergrößert wird. Aus diesem Grund benutzen wir die Checkstays, um die Mastbiegung eines topgetakelten Riggs zu kontrollieren und Mittel- und Unterwanten bei einem Rigg mit gepfeilten Salingen. Beides macht den Mast gerader und reduziert damit den Vorstagdurchhang.

Keep it simple!

Machen Sie es sich einfach und halten Sie sich stets vor Augen, welches der vier wesentlichen Elemente des Riggtrimms die Segel flacher oder voller macht. Wenn Sie die Mechanik der einzelnen Elemente verstehen, können Sie die Feinabstimmung und die Gesamtkonfiguration Ihres Riggtrimms entscheidend verbessern.

Und falls Sie jemals Probleme mit Ihrem Rigg oder dem Trimm haben, rufen Sie Ihren Segelmacher an. Er wird sich darum kümmern!